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Schwimmen mit Paukenröhrchen – was ist wirklich sinnvoll?

Viele Kinder entwickeln im Laufe ihrer Kindheit einen Paukenerguss – also eine Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr. Wenn dieser länger besteht oder häufig wiederkehrt, werden im Rahmen eines kleinen operativen Eingriffs sogenannte Paukenröhrchen eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass das Mittelohr belüftet wird und Flüssigkeit abfließen kann.

Darf man mit Paukenröhrchen schwimmen?

Paukenröhrchen
Nach der Operation hören Eltern häufig gut gemeinte, aber sehr strenge Empfehlungen:
  • Nur mit wasserdichten Ohrstöpseln schwimmen!
  • Kopf bitte nicht unter Wasser!
  • Baden und Planschen möglichst vermeiden!

Diese Empfehlungen sind wissenschaftlich so nicht haltbar – kurz gesagt: QUATSCH.

Was sagt die Wissenschaft?

Mehrere hochwertige Studien und Metaanalysen zeigen übereinstimmend, dass das Tragen von Ohrstöpseln beim Schwimmen oder Baden nur einen minimalen Einfluss auf die Häufigkeit von Mittelohrentzündungen hat.

  • In einer großen Auswertung zeigte sich, dass Kinder mit Ohrstöpseln nur geringfügig seltener Ohrinfektionen bekamen als Kinder ohne Schutz.
  • Die durchschnittliche Zahl der Infektionen sank dabei lediglich von 1,2 auf 0,84 Infektionen pro Jahr.
  • Um eine einzige Infektion mit Ohrsekretion zu verhindern, müsste ein Kind im Durchschnitt fast drei Jahre lang konsequent Ohrstöpsel tragen.

Diese minimale Risikoreduktion steht in keinem sinnvollen Verhältnis zu den Einschränkungen im Alltag eines Kindes.

Lebensqualität ist entscheidend

Schwimmen, Baden und Planschen sind für Kinder nicht nur Freizeitspaß, sondern wichtig für:

  • motorische Entwicklung
  • Selbstvertrauen und Sicherheit im Wasser
  • soziale Teilhabe (Schwimmbad, Freibad, Urlaub)
  • Freude an Bewegung

Wenn Kinder durch Ohrstöpsel, Verbote oder ständige Vorsicht eingeschränkt werden, leidet die Lebensqualität deutlich – bei einem Nutzen, der medizinisch kaum ins Gewicht fällt.

Auch die aktuell gültige medizinische Leitlinie zum Seromukotympanon spricht sich gegen eine generelle Empfehlung für Ohrstöpsel beim Schwimmen aus.

Was ist trotzdem zu beachten?

Ein wichtiger Punkt bleibt bestehen:

Tauchen und Springen ins Wasser sollte vermieden werden.
Dabei kann durch den erhöhten Wasserdruck Flüssigkeit ins Mittelohr gelangen. Normales Schwimmen, Planschen und Baden an der Wasseroberfläche gelten hingegen als unkritisch.

Fazit

  • Schwimmen und Baden mit Paukenröhrchen ist in der Regel problemlos möglich
  • Ohrstöpsel sind nicht zwingend notwendig
  • Einschränkungen bringen kaum medizinischen Nutzen, aber viel Frust
  • Auf Tauchen und heftiges Ins-Wasser-Springen sollte verzichtet werden

Ich wünsche Ihnen, Ihrer Familie und vor allem Ihren Kindern viel Freude am unbeschwerten Schwimmen, Baden und Planschen – auch mit Paukenröhrchen!

Wasserflöhe Halle e.V.   03-2026
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